Wie viel Design bin ich eigentlich?

Ein persönlicher Liebesbrief ans Design, von Mandy, Cloth. kreativbureau.

Nun, es ist wieder so weit. Diesmal bin ich im Cloth. kreativbureau an der Reihe mit einem sehr persönlichen Blogbeitrag, der mich eigentlich schon mein halbes Leben beschäftigt, also genauer genommen ab dem Zeitpunkt, als Design in mein Leben trat. Ich bin eigentlich niemand, der die Philosophiekeule schwingt - aber ich bin der Meinung, dieses Thema ist nicht nur für Designer wichtig, sondern auch für all diejenigen, die Künstler werden möchten. Also noch einmal zurück zu den Wurzeln. Das war damals 2006, als ich die Schule wechselte und bereit war - bereit dafür, mich künstlerisch austoben zu dürfen, um später aber feststellen zu müssen: Ich konnte nicht alles haben, was ich damals wollte - aber vieles, wenn ich mich dafür einsetze.

Doch wieso ist das so? Eine Frage, die mir schwer fällt zu beantworten, die aber Teil meines Lebens ist, das ich täglich lebe und gerne mache. Das Wichtigste vorab: Lerne zu lieben, was du tust. Nicht nur ein bisschen, sondern ein bisschen viel. Widme dich dem, was dich berührt, was dich stolz macht und was dich als „Dich“ fühlen lässt. Am Anfang dachte ich, Grafikdesign und der Beruf als Grafiker ist ein Job wie jeder andere auch. Ich gehe zur Arbeit und ich komme von der Arbeit - dann hab ich Zeit für mich und widme mich anderen Dingen. In Wirklichkeit ist mein geliebtes Design aber ganz anders. Feierabend? Für mein Auge irgendwie nie. Und das ist auch gut so. Oft erwische ich mich dabei, durch die Supermarkt Regale zu schlendern und meine Einkäufe nach dem „Aussehen“ in den Wagen zu legen, oder aber ich suche ein Restaurant nur dann aus, wenn mir das Logo schon gefällt. Ja ich verfiel manchmal regelrecht in eine Kritikstimmung, wenn ich andere Designs sah, die nicht meinen Vorstellungen entsprachen. Eine Eigenschaft, die mir nicht immer gefällt - die ich aber wohlmöglich nicht alleine bin. Außenstehende finden diese Eigenschaft des Visuellen sogar recht lustig und schütteln lachend oft den Kopf, wenn mir der Satz über die Lippen rauscht „Nee, doch nicht, sieht nicht so cool aus.“ Ich schmunzle oft über mich selbst, lache innerlich laut und hau mir manchmal die Hand auf die Stirn, weil ich denke „Ach Mandy, komm schon, nicht schon wieder!“

Wie sieht die Welt also eigentlich wegradiert aus und wie lebt sie sich so blanko?

Wie viel Design bestimmt das Leben aller? Ich glaube, mehr als man eigentlich denkt. Was wären wir ohne Design? Wäre dann alles schwarz-weiß? Wie wüssten wir, was wir da gerade in der Hand halten und wo wir uns eigentlich gerade befinden, wenn nirgendwo ein Name, ein Piktogramm oder ein Bild zu sehen ist? Wie sieht die Welt also eigentlich wegradiert aus und wie lebt sie sich so blanko? Mir stellt sich deshalb oft die Frage: Wie viel Design bestimmt mein Leben? Meine Antwort. Komplett. Positiv komplett allerdings. Aber, es hat sich entwickelt. Ich fand tausend Bereiche des Designs interessant und hätte sie am liebsten alle aus dem FF beherrscht - aber genau das ging nicht und geht auch jetzt noch nicht. Genauso wie ich alles können wollte, genauso hat mich Design ebenso auch manchmal überfordert. Manchmal hatte ich gar keine Lust, irgendwo Schriften zu sehen, Fotos zu machen oder darüber zu reden. Aber Design braucht Kunden, Redebedarf, Verständnis, Liebe, Einfühlungsvermögen und ebenfalls Kompromisse - das habe ich verstanden. Und das verstehe ich gerne. Design ist eben Geschmacksache - was mir anfangs unglaublich schwer fiel, fällt mir heute umso leichter - weil ich gelernt hab, meinen Geschmack individuell für jeden Kunden einzusetzen.

Ich war an dem Punkt angekommen, wo ich mich entscheiden musste: Schaffe ich Design zu verkaufen, das mir gefällt und mit dem ich mich vollkommen glücklich fühle und abends auf meiner Couch mit einem Lächeln sitze, weil ich weiß, ich habe etwas „geschaffen“. Oder war es an der Zeit einen Job zu wählen, bei dem es kein „Wenn“ oder „Aber“ gab, sondern eher meine Identität verloren ging und ich einfach nur eine Personalnummer bin? Ich entschied mich natürlich für den schwereren Weg, den wo ich fallen und wo ich aufstehen musste, aber auch der, wo ich „Macher“ sein konnte und immer wieder sein kann. Ich bekam die Chance, Design zu verstehen, zu verstehen, wo mein Platz in der kreativen Welt ist. Ich bin ehrlich, auch ich zweifle oft, weine oft weil ich Sachen schaffen will die bis dahin noch unmöglich erscheinen, und ich wachse (zwar nicht körperlich - hier schmunzle ich gerade hinter meinem Bildschirm über mich selbst, mal wieder) aber geistig - aber genau das ist die Droge, die ich brauche. Jetzt aber, nach dem Verstehen von Design, sage ich: Cool. So machen wir das.

Wie viel Design tut mir also gut und vor allem: Wie viel Design bin ich eigentlich? Ich kann diese Frage mittlerweile ganz gut beantworten. Denn ich bin viele. Ich schaffe Identitäten für meine Kunden, mit denen ich mich gerne selbst identifizieren mag. Mein Fokus liegt nicht rein auf das „Ich mach dann mal“, sondern eher darauf „Ich schaff’ dann mal“. Nun, ich beende mein Blogpost, mit dem gleichen Wort, wie ich ihn abgefangen hab, ich liebe Design - und ich fühle mich sogar ein wenig verheiratet mit ihm, ihr, es. Und obwohl Design immer und überall ein kontroverses Thema bleiben wird, ich mache weiter - weiter, indem ich immer wieder neu verstehe und lernen werde.

In diesem Sinne: Danke Design, dass du mich zu dem formst, der ich war, bin, sein werde.

Ich bleib dir treu.

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